Der Sammelband gewinnt seine Relevanz unter anderem durch die Auseinandersetzung mit der Euro-Krise. Mit der Euro-Krise gehen Fragen des Rechts einher, wie beispielsweise die Verfassungsrechtssprechung, bzw. rechtspolitische Fragen, die prüfen, ob die Entscheidungen von Brüssel auf einer demokratischen Ebene noch verfassungskonform sind.
Die Grenzen des europäischen Integrationsprozess befassen sich in dem vorliegenden Buch mit drei Schwerpunkten:
1. Der erste Teil beschäftigt sich mit den Grenzen von Recht als politischem Steuerungsmedium sowie den Grenzen der Politik als eigenständigem Integrationsmodus. Der Band enthält in diesem Teil unter anderem Beiträge von Fritz Scharpf und Jürgen Habermas. Fritz Scharpf thematisiert dabei die Finanzkrise als Krise der ökonomischen und rechtlichen Überintegration. Jürgen Habermas untersucht die Krise im Lichte einer Konstitutionalisierung des Völkerrechts.
2. Der zweite Teil setzt sich mit den Grenzen der Demokratie im Integrationsprozess auseinander. In diesem Bereich hat die Euro-Krise neue Frage aufgeworfen, die auch mit rechtlichen Fragestellungen einhergehen, beispielsweise inwiefern die Entwicklung einer transnationalen oder europäischen Demokratie Verfassungskonform ist. Hier wird unter anderem das Mastricht-Urteil als ein Beispiel angeführt, indem das vorhandene Demokratiedefizit der Europäischen Union zum Ausdruck kommt, da sich teilweise staatliche Befugnisse nicht auf ein Staatsvolk zurückführen lassen, jedoch enthält es auch Aussagen zu einer möglichen Demokratisierung der Europäischen Union.
Auch im Rahmen des Lissabon-Urteils fragt sich das Verfassungsgericht, wie Europa zu einer Demokratie kommen könnte. Dabei sieht der Autor eine europäische Öffentlichkeit und ein öffentlicher Willensbildungsprozess als eine Grundvoraussetzung an.
Als weitere Überlegung wird in einem weiteren Beitrag die Direktwahl eines EU-Präsidenten als weitere Legitimierung einer europäischen Demokratie erörtert.
3. Der letzte Teil befasst sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit den europäischen Außengrenzen, die seit bestehen der europäischen Union nicht klar definiert sind.
Darin werden rechtliche Fragen, wie die Kopenhager-Kriterien, die die Wertebindung der potentiellen Beitrittskanditaten konkreter untersuchen, thematisiert. Diese Kriterien sind sehr voraussetzungsvoll und werden von den Mitgliedsstaaten kaum erfüllt. In kultureller Hinsicht schließt die EU jedoch keinen Beitrittskandidaten aus.
Die Finalität der EU ist nicht festgelegt. Erklärbar dadurch, weil Europa ein soziales Konstrukt ist und weder geographisch noch historisch-kulturell genau fest- und einzugrenzen ist.
Juristisch betrachtet bedeutet der Begriff europäisch nichts, solange nicht genau festgelegt ist, was er rechtlich bedeutet. Exemplarisch wird in dem Band der Fall der Türkei als Beirittskandidat verhandelt und die Autorin kommt zu dem Schluss, dass für einen Beitritt folgende Beitrittskriterien ausschlaggebend sein sollten. Zum einen müssen die im Lissabon-Vertrag festgelegten Voraussetzungen und zum anderen die vier Kopenhager Kriterien erfüllt sein.
Grenzen der europäischen Integration ist ein wichtiges Buch mit hochkarätigen Autoren, die rechtliche Fragen beleuchten, die in der medialen öffentlichen Debatte oftmals ausgeblendet bleiben.
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