"Simulative Demokratie" ist das Buch der Zeit.
Ingolfur Blühdorn verfolgt zunächst die These, dass die Demokratie in einer tiefen Krise steckt und die Bürger das Vertrauen in die Politik verloren haben. Zudem sind die demokratischen Verfahren gar nicht mehr in der Lage die Zukunftsprobleme zu lösen.
Jedoch ist das Buch sehr ausgewogen und im zweiten Kapitel kommen auch Gegenpositionen zu Wort. Diese Positionen vertreten eine optimistischere Sicht und sehen ein hohes Anpassungspotenzial der demokratischen Institutionen, welches sich auch im Entstehen von sozialen Bewegungen und Volksabstimmungen zeigt.
Der Autor kommt in seiner kritischen und fundierten Analyse zu dem Ergebnis, dass weder das "Klagelied über die Krise und das Ende der Demokratie noch die hoffnungsvollen Erzählungen" wirklich zielführend sind.
Mit dem Begriff der postdemokratischen Wende führt er schließlich die Erzählung vom Ende der Demokratie und der bevorstehenden Erfüllung zusammen.
Aktualität bekommt dieses Buch auch durch die entstandene Debatte um den Kommissionspräsident nach den Europawahlen. In der Europapolitik wird sichtbar, dass sich Entscheidungsprozesse sich immer weiter von den demokratisch legitimierten Institutionen wegbewegen.
Der Autor hat mit dem Buch, einen gelungenen Beitrag zur deskriptiven-analytischen Demokratieforschung vorgelegt. Es war ihm jedoch kein Anliegen konkrete Handlungsempfehlungen daraus abzuleiten.
Erschienen bei Suhrkamp
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