(Trailer: Deutsches Theater)
Wintersonnenwende von Roland Schimmelpfennig wurde am Deutschen Theater von Jan Bosse inszeniert.
Wintersonnenwende blickt in die Mitte der Gesellschaft und beleuchtet Menschen, die sich in der politisch-korrekten Kreativbranche bequem eingerichtet haben.
Die Inszenierung ist durch die Wirkung der verschiedenen kommunikativen Ebenen sehr gelungen. Die eigentlichen Dialoge des Stücks und die Ebene der Regieanweisungen werden von den Schauspielern gesprochen. Die Regieanweisungen beschreiben Äußerlichkeiten der Figuren, Charaktereigenschaften, Beschreibung der Umgebung, der Wohnzimmereinrichtung und das Milieu, in dem das Stück spielt: Die Leute, die hier wohnen, haben in ihrem Leben niemals eine konservative Partei gewählt. Sie sind nicht älter als Mitte Vierzig, können aber jünger sein. Vielleicht sind sie erst Ende Dreißig. Sie sind dort angekommen, wo sie hinwollten.
Eine irritierende Wirkung bleibt nicht aus. Durch die gesprochenen Regieanweisungen entstehen verschiedene Effekte. Der Zuschauer bleibt etwas auf Distanz und identifiziert sich nicht mit den Gefühlswelten der Figuren. Diese Gefühlswelten sind in diesem Stück jedoch wenig entwickelt.
Die Handlung in dem Stück eskaliert zunehmend. Interessanterweise eskalieren die Emotionen vorwiegend in der Kommentar-Ebene der Regieanweisungen, wobei die Protagonisten auf der Dialogebene eher höflich und gefasst bleiben. Das entfaltet eine äußerst komische Wirkung.
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