M100 Sanssouci Colloquium 2015

Never give up Dialogue

Eröffnet wurde das M100 Sanssouci Colloquium vom ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der gesundheitlich bedingt eine Videobotschaft an das M100 Sanssouci Colloquium sendete. In seiner Rede stellte er eine Kernforderung an Diplomaten auf der ganzen Welt: Bleibt immer im Gespräch - Never give up Dialogue.

 

Das M100 Sanssouci Colloquium fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen in der Orangerie Sanssouci in Potsdam statt. Grund dafür war der diesjährige Preisträger des M100 Media Award: Charlie Hebdo. Der Preis wurde Gérard Biard, dem Chefredakteur von Charlie Hebdo, überreicht.

Das Roundtable-Format des M100 Sanssouci Colloquium hatte in diesem Jahr drei Themenschwerpunkte:

In der ersten Session ging es um Nachkriegsordnung in Europa: Die Konflikte in Europa und angrenzenden Staaten - politische, wirtschaftliche, soziale- haben in den letzten Jahren bedenklich zugenommen. Welche Implikationen ergeben sich aus den aktuellen Ereignissen?

In die zweite Session führte Dr. Ulrike Guérot, Gründerin und Direktorin European Democracy Lap mit einem Impulsvortrag ein, indem sie kritische Fragen aufwarf anstatt fertige Lösungen zu präsentieren.

Was ist Demokratie? Wie haben sich unsere Demokratien verändert? Was bedeutet die postnationale Konstellation (Habermas) der Gegenwart und die Abgabe einer Vielzahl vormals nationalstaatlicher Befugnisse in Folge der Euro-Rettungspolitik faktisch wie normativ für das Konzept der Souveränität?

Ein Kennzeichen der postnationalen Konstellation ist ihrer Meinung nach, dass die Menschen ihre Interessen nicht mehr wahrnehmen und sich eine Politikverdrossenheit breit macht. Laut einer Statistik gehen beispielsweise 74% der Harz IV Empfänger nicht wählen.

Im Falle von Pegida appelliert Guérot, die Menschen mit ihren Problemen zu wahrzunehmen und auch die Erwartungen der Menschen an einen politischen Wandel ernst zu nehmen und ihnen nicht mit moralischen Argumenten zu begegnen. Gerade im Falle von Pegida und weiteren Befindlichkeiten der Bevölkerung, sollten die Medien weg kommen von einer Moralisierung der Menschen, sondern ihre Probleme sehen.

Das Hauptthema der dritteh Session ging der Frage nach wie sich die für die Demokratie konstitutiven Funktionen der Medien veränderten Rahmenbedingungen verteidigen lassen? Sind die Medien noch in der Lage, eine Verbindung zwischen Politik und Bürgern herzustellen und ihrer Aufklärungsfunktion nachzukommen? Markieren zersplitternde Öffentlichkeiten und die digitale Renaissance der Proaganda das Ende ihrer sozial-integrativen Funktion?

Christoph Lanz, Intendant der Deutschen Welle, weist auf den großen Glaubwürdigkeits- und Imageschaden   der Medien hin. Eine Ursache sieht er in der abnehmenden Professionalität im Journalismus selbst. Der Journalismus wird zunehmend von Meinungen getragen und die Journalisten unterscheiden selbst nicht mehr zwischen einem Bericht und einem Kommentar.

Durch Social Media wandelt sich der Journalismus und wird zunehmend zu einer Plattform für öffentliche Diskurse.

Götz Harmann von Die Zeit sieht dadurch die Rolle des Journalismus zunehmend darin den öffentlichen Diskurs zu stabilisieren und zu moderieren.

Eine weitere Entwicklung liegt in der Konsumtion von Information. Zwar haben die Menschen Zugang zu sämtlichen Informationen, jedoch werden die Informationen sehr oberflächlich konsumiert.

In seiner Zusammenfassung des Colloquiums wies Prof. Dr. Rödder nochmals darauf hin, dass sich die Medien nicht an emotionalen Debatten beteiligten sollten, sondern vielmehr ihrer Funktion einer informierenden Berichterstattung nachkommen sollten.

Höhepunkt war jedoch die abschließende Rede von Dr. Frank-Walter Steinmeier und die Laudatio von Ferdinand von Schirach für die Preisverleihung an Charlie Hebdo.



 

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